Aktive BürgergesellschaftMit dem Ehrenamt punkten
Neuer landeseinheitlicher Kompetenznachweis
verschafft engagierten Menschen einen Vorsprung bei der Bewerbung um einen Arbeits- oder
Ausbildungsplatz.
Fast
zwei Millionen Menschen in Hessen engagieren, sich freiwillig und ehrenamtlich
für die Gemeinschaft.Mit
großem persönlichem Einsatz helfen sie
anderen und fördern den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Dafür verdienen
sie Dank und Anerkennung.
Die
öffentliche Wahrnehmung und Würdigung ehrenamtlichen Engagements hat daher oft
den Tenor „Toll, dass Ihr das macht!“ und hebt den selbstlosen Einsatz für das
Gemeinwohl
hervor. Viel zu selten wird jedoch erkannt und thematisiert, dass Menschen, die
sich freiwillig für andere einsetzen, im Rahmen dieser Tätigkeitvielfältige
Erfahrungen sammeln und sich oft Fähigkeiten aneignen, die weder in der Schule
noch im Beruf vermittelt werden können. Der Vorsitzende eines Fördervereins
etwa, der regelmäßig bei Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen um
Spenden für die gute Sache wirbt, entwickelt mit der Zeit zwangs- läufig eine
ganz besondere
Kommunikationsfähigkeit. Die Leiterin einer Jugendgruppe in einem sozialen
Brennpunkt verfügt über viel Übung in der Lösung von Konflikten. Das
langjährige Mitglied in einem Organisationskomitee für ein Stadtteilfest
verfügt sicher über ein über-durchschnittliches Koordinations- und
Organisationstalent. Der ehrenamtliche Helfer in einer Tafel oder Bahnhofsmission
wird einen differenzierteren Blick für das soziale Gefüge in unserer
Gesellschaft und die unterschiedlichen Lebens-bedingungen der Menschen haben. Und
der Vater, der seinen Urlaub damit verbracht hat, gemeinsam mit anderen Eltern
in einem mehrwöchigen Projekt den Kindergarten seines Sohnes ehren-amtlich zu
renovieren, hat nicht nur Einsatzbereitschaft, sondern auch Teamfähigkeit
bewiesen.
Diese Aufzählung ließe sich angesichts der zwei Millionen Menschen, die sich
jüngsten Untersuchungen zufolge ehrenamtlich für das Gemeinwohl in Hessen engagieren,
beliebig fortsetzen. Ehrenamtlich Aktive tun nicht nur Gutes für andere und
finden dabei viel Spaß und Erfüllung und neue Freunde. Sie lernen auch eine
Menge hinzu
und gewinnen wertvolle Einblicke und Erfahrungen, die ihnen in anderen Lebens-bereichen
– vor allem im Beruf – von großem Vorteil sind. Deshalb ist es wichtig, dass
freiwillig Engagierte ihre im Ehrenamt erworbenen Fähigkeiten umfassend
dokumentieren
können – etwa bei der Bewerbung um einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz.
Das
Land Hessen hat als erstes Bundesland diese Möglichkeit mit dem landes-einheitlichen
„Kompetenznachweis Ehrenamt“ für alle Menschen geschaffen, die sich mindestens
80 Stunden im Jahr für die Gemeinschaft engagieren.
Das Verfahren ist denkbar einfach:
Der Engagierte füllt im Internet unter
www.kompetenznachweis.de
das
dort hinterlegte Online-Formular mit seinen persönlichen Daten und näheren
Angaben zu seinem Engagement aus.
Anschließend
erhält er per E-Mail den aus seinen Angaben automatisch erstellten
Kompetenznachweis, den er dann der Organisation, für die er sich engagiert, zur
Unterschrift
vorlegt. Alternativ kann auch die Organisation selbst für ihre Mitglieder und
Helfer den Kompetenznachweis im Internet erstellen. Eine Umfrage bei
Personalverantwortlichen von Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet hat gezeigt, dass
der Zusammenhang zwischen ehrenamtlichem Engagement und dem Erwerb von Kompeten-zen
aufmerksam wahrgenommen wird. Deshalb unterstützen auch die Spitzenverbände
der
hessischen Wirtschaft diese Initiative des Landes zur Förderung des
Bürgerengagements.
Der
Autor, Staatsminister Stefan Grüttner, ist
Chef der Hessischen Staatskanzlei und
kümmert sich neben der Koordination der
Regierungspolitik auch um die Ehrenamtskampagne
des Landes.
Mit Genehmigung des HTV
entnommen aus "TOPSPIN" Nr 178 vom Juni 2007